Up, Bustle & Out Soliloquy album reviews (Germany)

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Soliloquy album cover by Up, Bustle and Out Up, Bustle and Out war noch niemals eine Studioband. Die Pioniere des Elektro-Jazz mit einem Beigeschmack von Dub reisten auf der Suche nach Musik, Traditionen, Geschichten und Kulturwandel durch Südamerika, Europa, Japan und den Orient, um dann, in ihrem Studio in Bristol, ein revolutionäres Album nach dem anderen zu veröffentlichen, in denen sie mit neuen Klangwelten experimentiert und ein Collage-Gewebe des Sounds verschiedener Kulturen um Dub und Dance herum legen.
Prägend für „Soliloquy“ - „Selbstgespräch“ - war vor allem der Aufenthalt in Istanbul, der die intensive Verbindung mit der bezaubernden Sängerin „Sevval Sam“ und den mystischen Flöten- und Streichinstrumenten des Orients einbrachte. „Soliloquy“ ist die respektvolle, beinahe demütige musikalische Liebeserklärung einer genialen Band an eine große Sängerin und die magischen Klänge einer fremden Kultur. Weniger ist oft mehr; die Beats schleichen warm und leise um die sehr vordergründige, hauchzarte Stimme von Sevval Sam, die die meisten der 13 Liedern dominiert. Einen andalusischen Flow bringt „Benjamin Escorzia“ in das Lied „Waterfalls of Gold“, aus Irland kommt die Sängerin „Bronagh Slevin“, aus Columbien „Andrea Echeverri“. Das vorliegende Ergebnis ist ein wundervolles, keine Grenzen kennendes Album voll sanfter und langsamer Musik, die beinahe in der Stille verschwinden möchte und doch mit einer kraftvollen Melancholie den Raum beherrscht. Wer in die Zwischenzeilen der Lieder hineinhört, wird neben den zahlreichen Instrumenten – Flamenco-Gitarre, Violine, Saxophon, Kaval Flöte, Tanbur und eine Menge Effekte aus dem Synthesizer – auch den Wind, Kinder oder ein Dampfschiff entdecken, eine Auswahl jener Geräusche, die Bandgründer und Produzent Robert Mould Medd über Jahre hinweg gesammelt hat, um sie sparsam und an der richtigen Stelle einzusetzen. Die klirrend klaren und gleichzeitig mystisch verträumten Melodien voll tiefgründiger, reicher Schätze umgeben und verzieren mit vorsichtigen, weichen und wie Tröpfchen fallenden Beats „Sevval Sam“, die sich darin fallenlässt, aufblüht und ihre romantischen Lieder in einem gänsehauterregenden Flüstern und Hauchen verdichtet. Diese CD ist eine Feier der Musik, der Freiheit, Neues in die Seele fliegen zu lassen, und nicht zuletzt eine Feier von Istanbul, der europäischen Kulturhauptstadt 2010.
By Christoph Mann, April 2010
Review at derdigitaleflaneur.blogspot.com
Wenn eine Band allzu ausgetretene Pfade verlässt beginnt die Normierungssoftware einer namhaften Firma zu verzweifeln. Die Labels für Up, Bustle And Out reichen von Acid Jazz über Worldmusic bis hin zu Ethnotronica, welches ich wiederum sehr symphatisch finde. Aber eigentlich sollte man den Stil dieser Band der Einfachheit halber als Moodmelange bezeichnen, denn dieser Begriff würde dem breit gefächerten Ansatz der Band bedeutend gerechter werden.
Begonnen haben Up, Bustle And Out 1994 als Duett (bestehend aus Clandestine Ein & Rupert Mould) auf dem damals noch recht jungen und unverbrauchten Label Ninja Tune. Inzwischen legen sie mit "Soliloquy" nicht nur ihr 11tes Album vor, sondern beweisen auch, dass sie inzwischen zu einer echten Musikerfamilie herangewachsen sind.
Sevval Sam, die bereits die Songs der letzten Veröffentlichung (Istanbul's Secrets) mit ihrer aussergewöhnlichen Stimme veredelte, steuert (als quasi festes Bandmitglied) auch bei den 15 Aufnahmen des aktuellen Tonträgers ihren bezaubernden Teil bei. Und wer sich dieser Circe ernsthaft zu widersetzen vermag, hat entweder kein Herz oder lauscht hauptberuflich eher Scooter ...
Der dritte Song der Platte (Littered Dreams) ist eins der besten Beispiele für die Brillanz dieser Koalition, hier stimmt einfach jedes einzelne Detail. 's wundervoll, verletztlicher Gesang, der in gewisser Weise an eine mit andalusischen Flamencodub durchwobene Spielart von Portishead erinnert. Eine live eingespielte Violine, ergänzend um die satte Klangfarbe der Flamencogitarre von Cuffy "El Guapo" und die sorgsam arrangierten Beats, vereinigen sich zu einer solch makellosen Komposition, dass es für alle anderen Bands dieses Marktsegments sehr eng werden wird in 2010.
Unter den weitere Gäste findet sich auch Benjamin Escoriza, der Sänger der Madrider Band Radio Tarifa, dessen ausgefallene Stimme bei zwei Stücke zum Einsatz kommt & diese mit spanischen Lyrics schmückt. Auf den regulären Albumtrack "Waterfall of Gold", schreitet er im Duett mit Sam (sie singt türkisch) eine melancholische, langsam dahin fliessende Oberfläche ab und beweist fühlbar, wie beeindruckend wohlfeil inszenierter Schwermut sein kann (selbst wenn man kein einziges Wort versteht).
Auf dem Bonustrack "Golondrinas Volando" wird dann das Tempo deutlich erhöht, was sich - unterstützt durch die treibende Percussion, welche die Violine kontrastiert und von einer fast schon schwebende Flamencogitarre ergänzt wird, zu einer fesselnden Dynamik hochsteigert, die nur die wenigsten unbeeindruckt lassen wird.
Bei Up, Bustle And Out hat der Begriff Ethnotronica (den ich einfach mal aus Gefallen übernehme) nie den etwas strengen Geruch einer gefälligen Wilderei an den Folklore der einzelnen Länder, sondern er beinhaltet vielmehr eine einfühlsame Annäherung an die aktuellen Adaption der Traditionen durch die einzelnen Interpreten.
Effektvoll dargeboten bei der 6ten Nummer des Albums "Sho Beto'l Alreh", bei der die Sängerin & ausgewiesene Pioneerin der pälestinensischen Folklore Amal Murkus beweist wie modern elektronische Musik abseits der kulturellen Klischees rund um die arabische Kultur des Mittleren Ostens (und auch abseits der Klezmertronicawelle der letzten Jahre) klingen kann.
Es gibt noch so viel, was ich über diese Platte sagen könnte und deren Titel sich auch oftmals in den Stimmungen der Songs wiederfindet, "Soliloquy" - das Selbstgespräch, als ein Dialog mit sich, ein Einfühlen in die inneren Welten, ein nachdenkliches Versenken in die eigenen Gedanken - all dies könnte gemeint sein, mit diesem Titel - wer kann schon sagen, ob es intendiert war. Fakt jedoch ist, dass man hier durch einen mit Klangfarben und Stimmungen bestechend eindrucksvoll llustrierten Raum driftet, den man nur noch ungern verlassen mag. Flaneurempfehlung ohne wenn & aber, denn diese Platte wächst stetig weiter. Großartig!
17 Songs & 68 Minuten, so lautet die Bilanz einer musikalischen Reise rund um den Erdball und damit es nicht nur Text bleibt, hier nun auch etwas Musik, der wunderbare Song "Littered Dreams" - Cheerz!
By Der digitale Flaneur, March 2010
Review at www.tonspion.de
Up, Bustle and Out's Sololoquy album reviewed at tonspion.de. Online magazine front cover with band profile picture, Barfuß im WüstensandM
Seit 1994 befinden sich Up. Bustle & Out auf musikalischer Weltreise. Insbesondere ihre letzten beiden Trips nach Istanbul und Mexico hat die beiden einzigen konstanten Mitglieder, Rupert Mould und "Clandestine" Ein, nachhaltig beeindruckt. „Soliloquy“ versucht die konsequente Mischung von Ost und West.

Flamencogitarre, türkischer Gesang, ein sanft blubbernder Dub-Groove – scheinbar gegensätzliches wirkt bei Up, Bustle & Out ganz natürlich. Wäre der Begriff nicht so abgegriffen, man könnte die Songs auf „Soliloquy“ als Weltmusik bezeichnen. Einflüsse und Musiker aus den verschiedensten Regionen der Welt bringen Mould und "Clandestine" Ein unterwegs und im Studio zusammen und basteln daraus Songs, in denen Istanbul und Bogota wie Nachbarstädte klingen.
Allerdings haben sie es bei „Soliloquy“ ein bisschen zu ruhig angehen lassen. Die 17 Songs des Albums grooven im Zeitlupentempo, als hätte man die Beteiligten vor der Aufnahme auf einen Marathon durch die Wüste geschickt. Trotz Klimaerwärmung herrscht in Mitteleuropa keine derart große Hitze, dass die Siesta flächendeckend eingeführt würde. Die heißesten Stunden des Tages, wenn jede Bewegung Schweißausbrüche zeitigt, sind die Momente, in denen man gerne zu „Soliloquy“ greift. An die Energie ihrer beiden letzten Ausflüge nach Mexico und Istanbul kommt das elfte Up, Bustle & Out-Album jedenfalls nicht heran.
By Redaktion, April 2010